Usbekische Novelle

Was war dies für eine Woche: sonniges Berlin. Heute mein Flug nach Hause, zurück in die Normalität. So nennt man sein eigenes Leben immer, ich verlasse die Normalität vieler Menschen für meine eigene. Wir stossen darauf an, Berlin liefert die Flüssigkeit dazu, traurig regnet es nun.

Vor einer Currywurstbude hat mich gestern Nacht, nach einigen G&Ts im Zapata, eine junge Frau angesprochen:
<<Na, hast du heute Abend schon was vor?>>
<<Nein>>
<<Na, toll, ich auch nicht. Willst du zu mir nach Hause?>>
<<Was machen wir denn da?>>
<<Na, hör mal. Der springende Punkt ist: es kostet Geld.>>
Ich naiver Trottel.

Die S-Bahn nach Schönefeld. Dieses ewige gerattere, durch das Ostkreuz. Bekanntes, und langweiliges Bild. Die Gedanken haften aber noch in der Stadt, und ihren Bewohnern.

Schönefeld. Ein ungemütlicher Stuhl, grad gegenüber der Abflugbildschirm. Verdammter Reisestress, ich möchte doch eigentlich zurückbleiben. Und doch schaue ich auf den flackernde Schirm.

Eine Stunde … Zwei Stunden … Drei Stunden…
Verspätung. Annullierung.

Trauriges Berlin, du möchtest mich hier behalten?
Nein, so spät dürfen sie meinen Heimatflughafen nicht anfliegen. So die Frau am Schalter. Meine Heimat will mich nicht mehr. Die Übernachtung wird von der Gesellschaft übernommen.

Flughafenhotel: Zimmer, Nachtessen, Schlafen.
Zuerst noch Gespräche am Tisch: Wissenschaftlerin, Journalist, Manager, Student. Smalltalk. Wieso passieren gewisse Sachen nur in Büchern und Filme. Langweile. Schlaf.

Morgen: schon wieder Stress, einen Flug zu verlieren, den ich eigentlich gar nicht nehmen müsste. Im Stress pralle ich beim einsteigen in den Bus in lange schwarze Haare. In meiner Hand die Moskauer Novelle. In ihrer eine Handtasche.

Ich habe mich noch nie mit Leute unterhalten, die aus einem anderen Kulturkreis kommen. Mein Horizont geht von Wien bis nach Porto. Irgend eine östliche Republik war mir unbekannt. Bis heute.

Lange Gespräche über gekaufte Schulnoten und arrangierte Ehen. Aber dies war hintergründig, denn scheinbar geht es in der Kommunikation nicht darum. Sondern um Erwartungen und Sehnsüchten, die nie in Erfüllung gehen. Und dies sind die Spannungen aus denen Seelenverwandschaften geschaffen sind.

Das Buch habe ich gestern fertiggelesen, Christa. Erlaube mir nun sie selber weiterzuleben, eine andere Endung als deine wird meine Geschichte nicht nehmen. Aber es tut gut meine Usbekische Novelle zu erfahren, denke ich. Im Sitz neben mir schläft die Person die mir, unbewusst, meine Fremndenangst genommen hat.