Heimatsgedanken in NYC

Die erste Frage ist immer: woher kommst du?

Unsere Identität ist so eng verschlungen mit unserer Herkunft, dass wir oft ein und dasselbe sind wie unser Land wenn wir Abroad sind. Die Leute immer erstaunt wenn man ein Cliché nicht erfüllt, oder entzückt wenn man es tut.

Ich bin auch immer stolz, wenn ich sagen kann, dass ich aus einem kleinen, und für viele exotisches Land komme, verbunden mit Bilder die wohl jeder im Kopf hat. Stolz kam auch auf, als ich in der New Yorker Subway ein kleines Afroamerikanisches Mädchen mit geflochtenen Haare Johanna Spyris „Heidi“ lesen sah.

Was für ein Situation, ich sitzend im ratternde Zug unter der Erde, den Alpöhi im Kopf, mich fragend was das Mädchen wohl für Bilder sieht wenn sie dieses Buch liest. Hat sie schon mal Geissen gesehen, vielleicht im Zoo im Central Park?

Der Text schien sie aber nicht zu fesseln, denn kurz danach legte sie das Buch weg und widmete sich einem Mathematikheft. So einfach verschwinden die Alpen aus Harlem.

Ich war natürlich schon ein bisschen enttäuscht.

Man verbindet sich im Ausland eher mit der Heimat, die Ferne lässt einem die weniger wünschenswerte Seiten des Landes für eine Weile vergessen.

Und doch fesselt uns dieser Herkunftsgedanke, es ist ein Bündel, dass wir immer dabei haben, manchmal gut für eine lustige Geschichte. Meistens fühlt man jedoch eine Distanz zwischen den Fremden und mir. Ich gehöre nicht ganz zu ihnen, denn ich bin nicht von hier. Man könnte uns nicht unterscheiden, wenn wir uns darüber weniger Gedanken machen würden. Oft ist es auch Angeberei, und dass Gefühl etwas besseres zu sein. Wenn zum Beispiel jemand in New York bei einem Barbecue nur über seine Heimatstadt Los Angeles spricht, und darüber was dort alles besser sei. Und schon fühle ich mich ertappt. Habe ich Ansatzweise nicht auch schon mal solche Diskurse, oder besser Monologe, geführt?

Wäre ich ein Träumer wenn ich bei den Strawberry Fields vor dem Dakota Gebäude an den Song Imagine denke, und dass es sich womöglich ohne ein Etikett einer Landeszugehörigkeit entspannter leben liesse?