Das geklebte Ohr

Kurz gesagt: ich liebe Vincent van Gogh.
Die erste Ausstellung weltweit mit den meisten seiner Landschaftsbilder, und das noch in meiner Wahlstadt Basel, schien mir eine gute Angelegenheit diese Liebe zu pflegen.
Nachdem ich, früh genug, aus meiner Chemieklausur kam, war mein Ziel ziemlich klar: Kunstmuseum.
Ich schlenderte durch die Gassen meiner Stadt, bis zum Haupteingang, der natürlich für so ein wichtiges Ereignis umgestalten wurde.
Hier die erste Überraschung, ich kann mit meinem Museumspass nicht ohne Probleme und kostenlos in die Hallen der Kunst eingelassen werden, hinter dem Ecken verkaufen sie spezielle Tickets, zu einem Wucherpreis auch für regelmässige Besucher des Hauses.
Nun nichts wie rein in das grosse Gebäude, Treppen hoch in der höchsten Stock, noch mal Ticketkontrolle, passieren eines grossen Raumes mit Informationen zu van Gogh, und nun stehe ich vor den gewünschten Bilder, und zehn Leute dazwischen.
Jetzt ging das Theaterstück los, wer einige Bilder dieses Künstlers kennt weiss dass sie von nah und fern ein Spektakel sind, und ich möchte die Pinselstriche die das ganze so speziell machen schon sehen, nur gibt es verschieden Probleme, einerseits die schon erwähnten Menschenmassen die heute entschieden haben etwas für ihre Allgemeinbildung zu tun, anstatt mit ihren fetten Bäuchen im Freibad zu liegen, zweitens die Alarmanlagen die losgingen sobald man die Pinselstriche sehen wollten und die Sicherheitsmitarbeiter die einen umherschoben um zu sehen ob jemand gerade ein Bild abhängt machten die ganze Sache auch nicht angenehmer, und verliehen der Ausstellung einen Touch von moderner Kunstinstallation von einem Institutionskritischen Künstler.
Ich stehe plötzlich neben einer Italienischen Gruppe, ich höre wie sich ein Junges Pärchen streitet, ihnen sind die Bilder gleichgültig.
Sie kommt kaum zum sprechen, er redet auf sie ein, sie taxiert ihn mit einem „Egocentrico“ ab und schmollt.
Sie sind eindeutig auch Teil vom Kunstwerk, dass sich dieser genialer anonymer Künstler ausgedacht hat, der sein Werk hier im Kunstmuseum zeigt anstatt an der ART 40.
Alles was eine gute Ausstellung ausmacht fehlt dieser, ausser natürlich die Bilder, aber die gehen unter.
Die Treppen wieder hinunter und ich fühle mich wie Jesus im Tempel, der ganze Zwischenstock, der sonst zur Reflexion einlädt ist gefüllt mit einem zusätzlichem Museumsshop, der allerlei Fanartikel verkauft, und ich muss an den armen Vincent denken, der arm gelebt und gestorben ist.
Falls er sehen würde was aus seiner Kunst geworden ist würde er sich sein Ohr wieder ankleben und sich wünschen niemals gemalt zu haben.